Geschichte des indianischen Widerstandes in Lateinamerika

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Tomas Katari, Túpak Amaru und Tupaq Katari

Im 17. und 18. Jahrhundert gab es weiterhin eine grosse Anzahl von Aufständen (z.B. zwischen 1760 bis 1769 etwa 20), die jedoch alle örtlich begrenzt blieben. Erst um 1780 brach ein grosser Aufstand aus, der sich über das ganze Kolonialgebiet von Argentinien bis Kolumbien ausbreitete. Zu dieser Zeit war das Gebiet in drei Vize-Königreiche eingeteilt: Peru, Neu-Granada (Kolumbien) und Rio de la Plata (Argentinien, Bolivien und Südperu). Die einzelnen Regionen (Audiencias) wurden von "Corregidores" verwaltet. Die indianische Bevölkerung lebte noch mehrheitlich in den traditionellen Dorfgemeinschaften. Diese wurden von den Spaniern aufs grausamste ausgebeutet. Sie waren zu beträchtlichen Abgaben (Tributos) verpflichtet und mussten nach dem Prinzip der ,Mita' auch Leute für die Arbeit in den Bergwerken zur Verfügung stellen. Dort waren die Arbeitsbedingungen so unmenschlich, dass nur wenige überlebten. Man rechnet, dass in der Kolonialzeit etwa 8 Millionen Indianer in den Minen, vor allem in der Silbermine von Potosi, umkamen. Nicht viel besser ging es denen, die in den "Encomiendas", den von den Spaniern verwalteten Landgütern, in sklavenähnlichen Verhältnissen lebten, doch wurden sie wenigstens von der ,mita' verschont. Dies ist der Hintergrund zu den Aufständen, die 1780 fast gleichzeitig an zwei ganz verschiedenen Orten losbrachen. Im Süden, in Chayanta (Potosi), war es der Curaca Tomas Katari (Quechua-Häuptling), der mit dem Corregidor Rechtsstreitigkeiten hatte. Um zu seinem Recht zu kommen, wanderte er mit einem andern Curaca zusammen 3000 km nach Buenos Aires zum Vizekönig.

Dort wurden sie angehört und erhielten auch ein Empfehlungsschreiben. Aber als sie dieses nach ihrer Rückkehr dem Corregidor unterbreiten wollten, entriss er es ihnen und liess sie festnehmen. Bald darauf wurden sie von ihren Leuten befreit. Tomas Katari forderte zum Widerstand auf. Jedermann solle nur noch die Hälfte der Steuern bezahlen, wie es ihm vom ,,König" zugestanden worden sei. Er wurde noch zweimal festgenommen, und als man ihn an den Gerichtshof überführte, wurde er unterwegs von seinen Bewachern in einen Abgrund gestossen. Doch sein Bruder Damaso führte den Kampf weiter.

Etwa zur gleichen Zeit, aber 1400 km weiter nördlich, in Tinta (Peru), versuchte ein anderer Curaca die Rechte der Indianer geltend zu machen. Jose Gabriel Condorcanqui war ein direkter Nachkomme der Inkas. Er hatte Schulen besucht und kannte die Gesetze. Er versuchte zuerst auf legale Weise seine Rechte durchzusetzen, musste aber erkennen, dass dies nicht möglich war. Er glaubte jedoch weiterhin an die Autorität des Königs von Spanien und meinte, wenn er sich gegen die schlechten Verwalter erhebe, so verteidige er damit seinen König und dessen Gesetze. Als Besitzer einer grossen Maultierherde führte er Transporte in weit entlegene Gebiete aus. Wichtig war vor allem die Verbindung Cuzco-Potosi. Auf seinen Reisen sah er viele Missbräuche. Sicher hatte er auch Kontakt zu Tomas Katari, denn bald nach dem Losbrechen des Konfliktes in Chayanta schritt auch er, der sich jetzt Tupak Amaru (nach dem letzten Inka) nannte, zur Tat und nahm den verhassten Corregidor Arriaga fest. Er liess ihn durch ein Volksgericht verurteilen und am 10. November 1780 öffentlich hinrichten. Dies war das Signal zum Aufstand. Die 14 Provinzen um Cuzco schlossen sich ihm an, und bald hatte Tupak Amaru ein grosses Heer beisammen. Die erste Schlacht bei Sangarara gegen die Regierungstruppen war erfolgreich. Dann zog Tupak Amaru gegen Süden nach Puno, obwohl ihm seine Frau Micaela Bastidas, die an seiner Seite kämpfte, dringend geraten hatte, zuerst Cuzco zu besetzen. Im Süden erhielt er zwar Unterstützung, aber als er endlich in Cuzco eintraf, war bereits Verstärkung aus Lima eingetroffen, und gegen die gut bewaffneten Truppen hatte er keine Chance. Schliesslich wurde er von einem Mestizen verraten und mit seiner Frau und seinen zwei Söhnen gefangen genommen. Der Prozess fand am 15. Mai 1781 in Cuzco statt. Tupak Amaru wollte die Namen seiner Mitstreiter nicht verraten. Er sagte zum königlichen Vertreter: "Hier gibt es keine Mitschuldigen ausser dir und mir. Du als Unterdrücker und ich als Befreier verdienen den Tod." Tupak Amaru und seine Familie wurden am 18. Mai hingerichtet, aber der Aufstand breitete sich weiter aus.

Bereits im März trat ein bisher Unbekannter auf: Julian Apaza, ein Aymara aus Ayo Ayo (zwischen La Paz und Oruro). Er nannte sich Tomas Tupaq Katari, was seine Verbindung zu Tomas Katari und Tupak Amaru beweist. Zusammen mit seiner Frau Bartolina Sisa leitete er die Belagerung von La Paz, die mit kurzem Unterbruch etwa 6 Monate dauerte. Die Aymara erhielten Unterstützung durch Truppen Tupak Amarus. Andres Tupak Amaru, ein Verwandter von Jose Gabriel, besetzte zusammen mit Gregoria Apaza, der Schwester von Julian die Stadt Sorata. Aber am 17. Oktober trafen 10.000 Mann Verstärkung aus La Plata ein. Die Truppen Tupaq Kataris mussten sich zurückziehen. Auch Tupaq Katari wurde verraten und gefangengenommen. Seine Hinrichtung fand am 15. November 1781 in La Paz statt. Auch Bartolina Sisa und Gregoria Apaza wurden zum Tode verurteilt. Damit war der Widerstand wieder einmal gebrochen. Das Andenken an die heldenhaften Anführer, Männer und Frauen, lebt aber weiter in den heutigen Indianerbewegungen Perus und Boliviens.

Siehe auch

Indianischer Widerstand in Mexiko

Literatur

  • Elsbeth Vocat: Tomas Katari, Tupak Amaru und Tupaq Katari. In INCOMINDIOS No. 52/1989
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