Indianischer Widerstand in Mexiko

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Der Fall von Tenochtitlan - häufig als Symbol der Unterwerfung der indianischen Völker Mexikos dargestellt - bedeutete keineswegs das Ende des indianischen Widerstandes gegen die spanische Kolonialmacht - sondern war vielmehr der Anfang einer nicht abbrechenden Kette von indianischen Verteidigungskriegen, Aufständen, und Rebellionen, mit denen die mexikanischen Völker der langsamen vollständigen Inbesitznahme ihres Territoriums und der Unterwerfung bis in die Gegenwart entgegentraten.

Als bewaffneter Kampf wurde der Krieg der Conquista in einigen Teilen des Landes noch 400 Jahre weitergeführt. So widersetzten sich die Yopes (Tiefland, Guerrero) der Unterwerfung in einer blutigen Rebellion 1531 und liessen die Spanier in einem Brief wissen: "... dass sie niemals Moctezuma, dem obersten Herrn der Indianer, haben gehorchen noch dienen wollen und deshalb nun erst recht nicht den Christen Gehorsam zollen würden; sie hätten immer Krieg geführt und zögen es vor zu sterben und so zu beweisen, wer sie seien."

Übersicht über die indianischen Aufstände

Viele indianische Völker verliessen angesichts der spanischen Invasion ihr angestammtes Territorium, zogen sich in schwer zugängliche Gebiete zurück, wo sie lange Zeit in Freiheit weiterleben konnten. Besonders erfolgreich entzogen sich die Nomadenstämme des Nordens dank ihrer Mobilität immer wieder den Eroberern, und einige erhielten sich so ihre Freiheit bis zum Ende des 19. Jahrhunderts. Dutzende indianischer Aufstände während der Kolonialzeit sind uns aus Dokumenten überliefert:

  • 1523 - Aufstand von Panuco, einer der ersten Kämpfe gegen die spanischen Eroberer
  • 1528 - Krieg der Chiapaneken gegen die Eroberer in der Schlucht von El Sumidero (Chiapa de Corzo)
  • 1531 - Aufstand der Yopes (Guerrero, Tiefland)
  • 1531 - Angriff der Maya gegen die neu gegründete Stadt Salamanca de Campeche als Auflehnung gegen die Caciques
  • 1533-1546 - verschiedene Aufstände der Maya der Provinz Mérida (Yucatán)
  • 1541 - Rebellion der Caxcanes (Zacateca), im Gefecht starb der Eroberer Pedro de Alvarado
  • 1547 - Widerstandsbewegung einiger Zapoteken- und Mixteken-Dörfer gegen die Provinzhauptstadt Oaxaca
  • 1547 - Aufstand der Zapoteken von Titiquipa
  • 1550 - Befreiungsbewegung der Zapoteken gegen die Stadt Oaxaca (im Namen des wiedererschienenen Gottes Quetzalcoatl)
  • 1550 - Krieg der nomadischen Gruppen der Chichimeka
  • 1553-1556 - Krieg der Lakandonen
  • 1561 - erfolgreiche Rebellion der Zacateca und Guachichile
  • 1580-1583 - Aufstände der Maya unter den Führern Francisco Chi und Andrés Cocom (der sich zum König krönen wollte)
  • 1584 - Aufstand der Bewohner von Guaynamota (Nayarit)
  • 1597 - Widerstandsbewegung der Tehueco gegen die Jesuitenmission
  • 1616 - Widerstandsbewegung der vereinigten Tepehuane, Coras und Tarahumara
  • 1624 - Aufstand der Guachichiles unter Führung von Cuajuco
  • 1660 - Aufstände der Zapoteken von Tehuantepec, Nejapa, Ixtepeji und Villa Alta (Heilserwartungsbewegung, Rückkehr der alten Herrscher)
  • 1639-1655 - Widerstandsbewegungen der Maya von Uayamil-Chetumal (Quintana Roo)
  • 1644 - Aufstand der 7 Nationen (Nomadenstämme in Chihuahua)
  • 1646, 1650-52, Widerstandskämpfe der Tarahumara
  • 1684-90
  • 1695 - Erhebung der Concho, Soba und Pima (Nomadenstämme, Chihuahua und Sonora)
  • 1712 - Aufstand der Tzeltal und Tzotzil (Chiapas)
  • 1735 - Aufstand der Indianer von Baja California gegen die Jesuiten
  • 1740 - Aufstand der Yaqui und Mayo (Sonora)
  • 1761 - Aufstand in Yucatán unter dem charismatischen Führer Canek

Gründe für die Aufstände

Unmittelbare Auslöser der indianischen Erhebung waren meist Tributerhöhungen, Misshandlungen durch die Encomenderos oder Haciendaverwalter, Enteignung von Ländereien oder Zwangsarbeit. Viele der Aufstände, über die uns genauere Informationen überliefert sind, hatten stark religiösen Charakter. Durch verschiedene Medien kündigten die alten Götter die baldige Befreiung und den Anbruch einer Epoche wie vor der Conquista an. Die Führer der Rebellionen hatten oft messianischen Charakter oder verfügten über traditionelles Geheimwissen, andere machten sich die christliche Symbologie zu eigen und verkündigten eine neue und einzig wahre Heilslehre.

Die historische Erinnerung wird zu einem wichtigen Element des Widerstandes, erlaubt sie doch die gegenwärtige Zeit der Unterdrückung als vorübergehende zu betrachten, die durch die definitive Erhebung der Unterdrückten beendet sein würde. Die Rückkehr zu vergangenen Zuständen wird so zu einer Projektion für die Zukunft - eine im zyklischen Denken vieler mesoamerikanischer Völker zentrale Weltanschauung.

Bedeutung des Widerstandes

In der Rebellion kommen viele latente Ressourcen der indianischen Gemeinschaften zum Ausdruck. Es werden Formen der Organisation und Kommunikation oder Symbole aktiviert, die vergessen schienen. Aber auch Elemente der dominierenden Kultur, die sich die indianischen Völker zu eigen gemacht haben, kommen in der Rebellion zum Tragen. Dies gilt nicht nur für europäische Waffen, sondern auch für Ideen und Symbole. So zum Beispiel bei den Maya, die sich fast ein halbes Jahrhundert im Krieg der Kasten erhoben haben; sie schufen eine innere politische Organisation, die dem militärischen Aufbau der mexikanischen Armee ähnelte, und entwickelten einen Kult der sprechenden Kreuze, in dem christliche und Maya-Symbole miteinander verschmolzen und Ausdruck einer neuen Religiosität wurden, die eng mit der Notwendigkeit des Krieges verbunden war.

Eine typische Gemeinsamkeit des bewaffneten indianischen Widerstands von der Conquista bis in die Gegenwart ist der lokale Charakter der Aufstände und die Isoliertheit der indianischen Bewegungen. Selten erreichten sie regionale oder gar ethnische Bedeutung wie im Falle der Maya von Yucatan oder der Yaquis, Cora und Tarahumara im Norden Mexikos.

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