Pawnee
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| Paneassa, Pani |
Mit Pawnee (auch Paneassa oder Pani) wird ein Indianer-Stamm der Caddo-Sprache bezeichnet, dessen traditionelles Siedlungsgebiet entlang des Platte und Republican Rivers im heutigen US-Bundesstaat Nebraska lag. Dort lebten sie vom Ende 15. Jahrhunderts an bis zur zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Pawnee teilten sich in vier relativ unabhängige Unterstämme auf, von denen die Chaui allgemein als der führende Stamm angesehen wurden:
- Chaui oder Grand Pawnee,
- Skidi oder Wolf Pawnee,
- Kithehaki oder Republican Pawnee und
- Pitahaureat oder Tapage Pawnee.
Inhaltsverzeichnis |
[bearbeiten] Kultur
Jede dieser Gruppen war in mehrere Dorfgemeinschaften unterteilt, die die soziale Basiseinheit des Pawneevolkes bildeten. Sie wohnten in grossen, kuppelförmigen, erdbedeckten Hütten, benutzten aber Tipis bei der Büffeljagd. Die Erdhütten der Pawnee besassen eine ovale Form, wurden von einem Gerüst aus 10-15 Stangen getragen, das mit Weidenzweigen, Erde und Grassoden bedeckt war. Im Scheitelpunkt der Hütte befand sich eine Öffnung, die als Rauchabzug und Fenster diente. Der Boden der Hütte lag etwa 3 Fuss (ca. 1 Meter) unterhalb des Erdbodens und die Tür konnte des nachts durch ein Bisonfell verschlossen werden. In grossen Hütten lebten 30 bis 50 Personen, ein Dorf hatte zwischen 300 bis 500 Einwohner und 10 bis 15 Haushalte. Jede Hütte war in ein Nord- und eine Südhälfte oder zwei Sektionen geteilt, die jeweils von einem Oberhaupt geführt wurden und jede Sektion bestand aus drei Familien. Die Zugehörigkeit zu einer Hüttengemeinschaft wurde flexibel gehandhabt. Wenn die Familien von der Büffeljagd im Sommer oder Winter zurückkamen, konnten sie sich eine neue Hütte aussuchen, obwohl sie gewöhnlich in demselben Dorf blieben.
Die Frauen bauten Mais, Squash und Bohnen an. Ausserdem waren sie sehr geschickt in der Kunst der Töpferei. Die Pawnee hatten eine matrilineare Kultur und die Abstammung wurde über die Mutter definiert. Ein junges Paar zog traditionell in die Hütte der Brauteltern. Innerhalb der Hütten-Sektionen wurden die Frauen in drei Gruppen eingeteilt:
- Verheiratete jüngere Frauen, die die Hauptlast der täglichen Arbeit trugen,
- Junge, ledige Frauen, die ihre Aufgaben kennenlernten und
- Ältere Frauen, die für die Erziehung und Obhut der kleinen Kinder verantwortlich waren.
Häuptlinge, Priester und Schamanen wurden durch Klassenunterschiede begünstigt. Jeder Häuptling eines Dorfes oder einer Gruppe besass ein Heiliges Bündel (Sacred bundle). Schamanen wurden besondere Kräfte gegen Krankheiten, feindliche Überfälle und Nahrungsmangel zugesprochen. Priester waren mit der Darbietung von Ritualen und heiligen Gesängen beauftragt. Neben Schamanen- und Jagdgesellschaften hatten die Pawnee auch Kriegergesellschaften.
Die Religion der Pawnee war wohl durchdacht. In ihrem Glauben wurden manche Sterne, zum Beispiel der Morgenstern, wie Götter verehrt und sie erflehten in Ritualen ihre Anwesenheit. Sie benutzten die Astronomie auch für praktische Dinge, so zum Bestimmen der günstigsten Zeit zur Maispflanzung. Mais wurde als symbolische Mutter angesehen, durch die der Sonnengott seine Gnade erwies. Andere wichtige Gottheiten waren Tirawa, die höchste Macht, und der Morgen- und Abendstern.
[bearbeiten] Das Morgenstern-Ritual
Bis in die 1840er Jahre gab es bei den Skidi ein Menschenopfer-Ritual, das dem Morgenstern gewidmet war. Das Opfer war gewöhnlich ein von einem anderen Stamm gefangenes jungfräuliches Mädchen. Man behandelte das Mädchen zunächst gut und errichtete ein kunstvolles Schafott für die Opferung. Bevor der Morgenstern am Opferungstag aufging, wurde das Mädchen auf das Schafott geführt. Wenn der Stern am Horizont erschien, öffneten Schamanen den Brustkorb des Mädchens und durchbohrten den Körper mit Pfeilen. In ihrem Buch The Lost Universum (Das verlorene Universum) beschreibt die Autorin Gene Weltfisch eine junge Lakota-Indianerin, die von den Pawnee gefangen und getötet wurde. Man nimmt an, dass sie das letzte Menschenopfer der Pawnees war, deren grausames Ritual von den Azteken in Mexiko abstammen soll.
[bearbeiten] Geschichte
Francisco Vásquez de Coronado besuchte die benachbarten Wichita 1541 und traf dabei auf einen Pawnee-Häuptling aus dem Dorf Harahey. Aus dem siebzehnten und achtzehnten Jahrhundert gibt es keine Berichte über die Pawnee. Eine Delegation von Stammeshäuptlingen besuchte Präsident Thomas Jefferson und 1806 kamen Lieutenant Zebulon Pike, Major G. C. Sibley, Major S. H. Long in die Pawnee-Dörfer. In mehreren Verträgen traten die Pawnee zwischen 1818 und 1892 ihr Land an die Vereinigten Staaten ab und zogen in eine Reservation am Loup River in Nebraska. Permanente Überfälle der Lakota aus dem Norden und das Eindringen weisser Siedler aus dem Osten und Süden zwangen sie 1875, ihre Reservation zu verlassen und in das Indianerterritorium zu ziehen. Viele junge Pawnee zogen es vor, als Scouts zur Kavallerie der US-Armee zu gehen, als die Öde des Reservationslebens zu ertragen. Im zwanzigsten Jahrhundert löste das Christentum die traditionelle Religion ab.
Im 19. Jahrhundert wurden die Pawnee von Pocken und Cholera-Epidemien beinahe ausgelöscht. Ihre Bevölkerung reduzierte sich im Jahre 1900 auf schätzungsweise 600 Stammesmitglieder. Bei der Volkszählung im Jahre 2000 lebten 2.486 Pawnee in oder nahe ihrer Oklahoma-Reservation. 1996 sprachen nur noch vier ältere Pawnee ihre traditionelle Sprache. 1964 bekamen die Pawnee eine Nachzahlung von 7.316.096,55 Dollar für unterbewertete Landverkäufe aus dem vergangenen Jahrhundert. Heute bemühen sich die Pawnee, ihre alte Kultur wiederzubeleben und treffen zweimal im Jahr mit ihren Verwandten von den Wichita zusammen.
[bearbeiten] Siehe auch
Liste nordamerikanischer Indianerstämme
[bearbeiten] Literatur
- John R. Swanton: The Indian Tribes of North America. Smithsonian Institution, Bureau of American Ethnology, Bulletin 145, Smithsonian Press, Washington D.C., 1969, ISBN 0-87474-092-4
- Raymond J. DeMallie: Handbook of North American Indians. Volume 13: Plains. Smithsonian Institution (Hg.), Washington, 2001, ISBN 0-16-050400-7
- Gene Weltfish: The Lost Universe - Pawnee Life and Culture. University of Nebraska Press, 1990, ISBN 978-080325-871-6

