Pequot-Krieg

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Schauplatz des Pequot-Krieges im südlichen Neuengland

Der Pequot-Krieg von 1637 war die erste ernsthafte bewaffnete Auseinandersetzung zwischen den indianischen Ureinwohnern Neuenglands und den britischen Kolonisten.

Inhaltsverzeichnis

Geschichtlicher Hintergrund

Die frühen Beziehungen zwischen den englischen Kolonien von Plymouth in Neuengland sowie Jamestown in Virginia und den Ureinwohnern waren ähnlich. Die Engländer waren von indianischer Gastfreundschaft, indianischer Nahrung und indianischer Erfahrung abhängig, wurden jedoch in zunehmenden Masse arrogant, fordernd und gefühllos gegenüber den Rechten der Ureinwohner. In der Plymouth-Kolonie war es Captain Miles Standish und in der Virginia Kolonie war es Captain John Smith, die in das Hinterland vordrangen, die indianischen Führer bedrohten, deren Vorratslager plünderten und Lebensmittel für ihre nörgelnden Kameraden eintauschten oder erpressten. Die früheren friedlichen Beziehungen zwischen den Rassen wurden durch dieses Verhalten arg strapaziert und ein Tropfen konnte das Fass zum Überlaufen bringen.

Frühe Feindseligkeiten mit den Ureinwohnern Neuenglands konnten die Verantwortlichen in Plymouth durch den Abschluss eines Vertrages zwischen der Kolonie und Massasoit abwenden. Massasoit war der Kriegshäuptling der Wampanoag, der die ums Dasein kämpfende Kolonie 1621 besuchte. Im Wortlaut des Vertrages verpflichteten sich beide Seiten, den Frieden zu bewahren und Vertragsbrüche zu bestrafen. Der Frieden währte über ein halbes Jahrhundert.

Plymouth zögerte keineswegs, den Indianern gegenüber Gewalt anzuwenden, oft mit fragwürdiger Rechtfertigung, wie im Falle von Captain Myles Standishs Angriff auf die Indianer der Massachusetts Bay im Winter 1622/1623, als Unruhen in einer Kolonie unter Thomas Weston ausgebrochen waren. Gouverneur William Bradford rechtfertigte diesen Präventivschlag mit einer ihm berichteten Verschwörung der Massachusett-Indianer gegen Westons Leute und ebenfalls gegen die Kolonie der Pilgerväter. Bradford gab gerne zu, dass Westons Männer die Indianer bestohlen hatten, aber er akzeptierte die Ausschaltung der Verschwörer, bevor sie zuschlagen konnten. Obwohl die Information der Kolonisten über die angebliche Verschwörung von ihrem Verbündeten Massasoit stammte, muss der Historiker des 20. Jahrhunderts die Richtigkeit dieser Information anzweifeln, besonders angesichts der beständigen Furcht vor indianischen Verschwörungen und dem Ausbruch von Indianer-Kriegen in Neuengland.

Ihre Bereitschaft zur Gewaltanwendung gegenüber jenen, die gegen ihre Überzeugung verstiessen, bewiesen die Pilgerväter mit ihrem Angriff auf die Kolonie des Thomas Morton, der 1625 einen Maibaum in Merrymount nahe der heutigen Stadt Quincy errichtet hatte. Er wohnte dort in engem Kontakt mit den Indianern und tauschte europäische Waren gegen Felle und puritanische Wertvorstellungen gegen indianische Zugeständnisse. Die kleine Kolonie wurde zerstört und Morton davongejagt. Mortons Kolonie war eine Beleidigung für Pilgerväter und puritanische Moralvorstellungen. Eine Interpretation besagt, es war eine Bedrohung für die armen Seelen der Kolonisten. Die koloniale Führung hatte weder Schuldgefühle bei der Zerstörung von Mortons skandalöser Kolonie noch bei der Vernichtung irgendeiner indianischen Gruppe, die ihre Werte bedrohen könnte.

Die Ursachen

Neuenglands erster grosser Indianerkrieg fand 1637 gegen die Pequot statt. Die etablierte Kolonie von Massachusetts und die etwas jüngere Kolonie von Connecticut zogen aus der Vernichtung dieses machtvollen Stammes ihren Nutzen. Die von den Engländern angeführten Kriegsgründe erscheinen aus heutiger Sicht willkürlich und überzogen. Im Jahr 1634 wurde ein englischer Gauner, Kapitän John Stone, von Westlichen Niantic getötet, die mit den Pequot verbündet waren. Dies nahm die Führung der Massachusetts-Bay-Kolonie zum Anlass, unangemessene und unbegründete Forderungen an die Pequot zu stellen. Ein am 1. November 1634 unterzeichneter Vertrag verhinderte vorläufig einen Krieg. Als am 20. Juli 1636 ein weiterer Schiffskapitän namens John Oldham von einigen Narragansett auf Block Island getötet wurde, sandte die Massachusetts-Bay-Führung eine Expedition von 80 Freiwilligen unter John Endecott, John Underhill und William Turner mit dem Befehl aus, die indianischen Krieger auf Block Island zu töten, die Frauen und Kinder gefangen zu nehmen und die Insel zu besetzen. Die Expedition fuhr danach zurück zum Festland, zog in das Pequot-Land und verlangte die Auslieferung der Mörder von Kapitän Stone und anderen Engländern, dazu 1.000 Faden (1,83 m = 1 Faden) Wampum als Wiedergutmachung und einige Kinder als Geiseln. Wenn die Pequot ablehnten, würden sie mit Bestrafung rechnen müssen. Gouverneur John Winthrop erklärte später, dass die ursprüngliche Absicht gewesen sei, Endecotts Streitmacht nur nach Block Island zu schicken, und unser Marsch zu den Pequot geschah in der Hoffnung, sie zum Verhandeln zu bringen und zu einem friedlichen Ende.

Die Expedition war wenig erfolgreich, ausser dass sie den bis dahin bestehenden Frieden zwischen den Pequot und den Engländern beendete und die Besatzung von Fort Saybrook an der Mündung des Connecticut Rivers in Lebensgefahr brachte. Es stand unter dem Kommando von Leutnant Lion Gardiner, der empört war über Endecotts hastige und uneffektive Such- und Vernichtungsaktion gegen die Pequot. Nach Endecotts Abzug überfielen die Indianer als Vergeltung abgelegene Siedlungen der Connecticut-Siedler, die die Folgen zu tragen hatten. Als die Pequot erkannten, dass die Männer aus Connecticut und Massachusetts unnachgiebig waren, und ihre Frauen und Kinder mit dem Tode bedrohten, versuchten sie ihr früheres Bündnis mit den Narragansett zu erneuern und sich mit ihnen im Kampf gegen die Engländer zu vereinigen. Ein glücklicher Zufall für die Engländer wollte es, dass Roger Williams eine Ratsversammlung unterbrechen konnte, in der die Pequot und Narragansett ihre Differenzen beilegen wollten, und den Narragansett ein Bündnis gegen ihre alte Feinde, die Pequot, anbot. Die Narragansett folgten dem englischen Angebot, stellten sich somit unter den Befehl der Engländer, was nicht nur zur Vernichtung der Pequot sondern möglicherweise auch zu ihrer eigenen führte.

Die Teilnehmer

Es waren mehrere unabhängige britische Kolonien an diesem Konflikt beteiligt, die jeweils eine eigene Führung hatten und ausser den Pequot waren eine Anzahl weiterer Indianerstämme involviert, entweder auf Grund von Allianzen oder engen Verbindungen:

  • Massachusetts Bay Kolonie: Gouverneure Henry Vane und John Winthrop, Captain John Underhill und John Endecott
  • Plymouth Kolonie: Gouverneur Edward Winslow und William Bradford
  • Connecticut: Führer Thomas Hooker, Captain John Mason
  • Pequot: Sachem Sassacus
  • Westliche Niantic: Sachem Sassious
  • Mohegan: Sachem Uncas
  • Narragansett: Sachem Miantonomoh
  • Metoac oder Montauk

Das Mystic-Massaker

Am 1. Mai 1637 erklärte die Führung der Kolonie von Connecticut den Offensiv-Krieg gegen die Pequot. Sowohl Connecticut als auch Massachusetts unternahmen Feldzüge gegen die Pequot, wobei jede Kolonie hoffte, diese Nation vor den anderen zu vernichten. Captain John Mason aus Connecticut marschierte mit 90 Engländern und Hunderten von indianischen Verbündeten zu einem befestigten Pequot-Dorf am Mystic River. Am 25. Mai 1637 wurde das Fort der Pequot von den Belagerern umstellt und in Brand geschossen. Die Einwohner versuchten zu fliehen, wurden aber in die Flammen zurück getrieben. Der Bericht eines Augenzeugen ist überliefert:

Mehr als 500 Indianer brieten im Feuer und Ströme von Blut sickerten durch die Palisaden hindurch. Der Gestank war fürchterlich, aber der Sieg war ein süsses Opfer und wir beteten alle zu Gott, um ihm für seinen Beistand zu danken.

Captain Mason, der den Befehl hatte, die Pequot auszurotten, verfolgte nun mit seinem Kommando die geflohenen Indianer, machte sie entweder nieder oder legte sie in Ketten.

Das Ende von Sassacus

Die übrigen Pequot verliessen ihre Dörfer und flohen zumeist in kleinen Gruppen zu benachbarten Stämmen, bei denen sie entweder aufgenommen oder auch getötet wurden, zum Beispiel von Mohegan- und Narragansett-Kriegern. Die grösste Gruppe unter der Führung ihres Sachems Sassacus floh zu den Metoac auf Long Island, bei denen sie aber nicht bleiben durften. So führte er seine etwa 400 Stammesmitglieder die Küste entlang nach Westen zu den Holländern in Neu-Amsterdam.

Mitte Juni wurde Captain John Mason erneut ausgesandt und marschierte mit 160 Kolonisten und 40 Mohegan-Scout unter ihrem Sachem Uncas den geflohenen Pequot entgegen. In einem Sumpf beim heutigen Fairfield wurden die Pequot umzingelt, lehnten aber eine kampflose Aufgabe ab. Daraufhin wurde den Frauen und Kindern erlaubt, den Sumpf zu verlassen. Im anschliessenden Gefecht fanden 180 Pequot den Tod oder wurden gefangen, Sassacus aber gelang mit etwa 80 Kriegern die Flucht. Sassacus floh mit seinen Anhängern nach Westen zu den Mohawk im heutigen Bundesstaat New York. Diese jedoch hatten die Kampfkraft der Engländer erlebt, töteten Sassacus und schickten seinen Kopf als Freundschaftsbeweis nach Hartford, der Hauptstadt der jungen Kolonie Connecticut. Das war das Ende des Krieges.

Die Folgen

Am 21. September 1638 unterzeichneten die siegreichen indianischen Verbündeten einen Vertrag mit den Kolonisten, der als der erste Vertrag von Hartford bekannt werden sollte. Die jüngeren gefangenen Pequot wurden als Sklaven an die Mohegan, Narragansett und Metoac verteilt, die übrigen wurden Diener bei Kolonisten in Connecticut und Massachusetts. Die Engländer aber forderten das Land der Pequot, die offiziell als nicht mehr existent bezeichnet wurden.

Die Indianer im südlichen Neuengland waren entsetzt über die unbarmherzige Kriegsführung der Engländer, dem Töten oder Versklaven aller überlebenden Pequot, davon sogar einige, die sich freiwillig den Narragansett ergeben hatten, um in ihren Stamm aufgenommen zu werden. Der totale Sieg über die Pequot und die versuchte Ausrottung hatte einen starken depressiven Effekt auf die anderen indianischen Völker im südlichen Neuengland. Denn Vernichtung bis zur restlosen Ausrottung des Gegners war ihnen etwas vollkommen Unbekanntes. Man bekämpfte einen Feind im Gefecht, nach dem Sieg aber liess man von ihm ab. Niemals hatten sie Kämpfe erlebt, in denen ein ganzes Volk sterben sollte. Sie standen mit unfassbarem Abscheu vor dem Geschehen, dass die britischen Kolonisten Frauen, Alte und sogar Kinder in das Feuer zurücktrieben und versuchten, jeden Fliehenden zu verfolgen und zu töten.

Nach dem Pequot-Krieg gab es eine längere Friedens-Periode, da es eine Generation lang kein Stamm wagte, sich gegen die Briten aufzulehnen. Erst 1675 mit dem King Philip's War kam es zum nächsten Krieg.

Das Folgende ist eine Übersetzung aus der englischen Wikipedia:

Kontroverse über den Krieg

Die Richtigkeit der Fakten in diesem Artikel wird diskutiert. Bitte lies die aktuelle Diskussion auf der Diskussionsseite zu diesem Artikel.

In den 1990er Jahren wurden einige Ereignisse in diesem Krieg zur Zielscheibe von Historikern, um die Behandlung der Pequot politisch korrekter darzustellen. Während die Kolonisten, besonders einige puritanische Geistliche, den Krieg als einen Kreuzzug gegen die gottlosen Wilden bezeichneten, wird der vorliegende Artikel für glaubhaft angesehen und lässt nur einige Details aus. Die Darstellung folgender Ereignisse führte zu Beanstandungen:

Mystic-Massaker

Hier gibt es Beschreibungen wie zum Beispiel: Englische und holländische Söldnertruppen massakrierten über 700 Frauen und Kinder. Captain John Underhill arbeitete zwar später für die Kolonie der Holländer, aber es waren keine holländischen Siedler oder Soldaten am Massaker beteiligt. Underhill und Mason standen zwar im Militärdienst, bei den Kolonisten gab es aber keine Söldner. Underhill wird als der Hauptakteur beim Massaker bezeichnet, doch das stimmt nicht. Er veröffentlichte einen Bericht darüber in England, der ihn in Verruf brachte. Historische Schätzungen über die Zahl der getöteten Pequot lagen zwischen 400 bis 700, die meisten genannten Zahlen lagen bei 500 bis 550. Diese Zahlen hat man in einigen kürzlich erschienenen Berichten auf über 700 erhöht. Es gibt aber keine Schätzungen über die Zahl der getöteten Niantic und Narragansett beim Angriff auf Mystic und dem folgenden Gefecht.

Abschneiden von Köpfen

Das Abschneiden von Köpfen ist eine böswillige und falsche Darstellung. Einer beliebten Geschichte zufolge feierten die Bewohner von Neu-Amsterdam den Sieg ihrer Söldner, indem sie Fussball in den Strassen mit den Köpfen der getöteten Pequot spielten. Sassacus wurde allerdings auf dem Gebiet, das die Europäer als Neu-Amsterdam ansahen, von Mohawks enthauptet und seinen Kopf brachte man nach Hartford. Ein anderer Indianerkopf eines bei Masons Verfolgung getöteten Kriegers wurde als Abschreckung in einen Baum gehängt. Die Gegend in der Nähe von Guilford in Connecticut, in der dieses geschah, heisst noch heute Sachem's Head(dt. Kopf des Sachems).

Erntedankfest

Das Erntedankfest (engl. Thanksgiving) wurde ebenfalls in diese Diskussion gebracht. Die Pilgerväter, so wird berichtet, verkündeten ihr zweites formelles Erntedankfest im Jahre 1637. Ein Prediger in Hartford erklärte den 15. Juni 1637 als Tag des Gebetes und Dankes für die unversehrte Rückkehr der Miliz aus Mystic. Es war jedoch in keiner Weise ein allgemeiner Feiertag der Puritaner und Hartford hatte zu dieser Zeit nur 450 Einwohner.

Vergiftete Indianer

Das Vergiften von Indianern wird ebenfalls erwähnt, in Berichten wie die Pilgerväter vergifteten in den 1620er Jahren Hunderte von Pequot. Im Jahre 1624 gab es einen Fall von Vergiftung, doch der passierte im Powhatan-Krieg irgendwo in Virginia oder Maryland, und hatte nicht mit den Pilgervätern und den Pequot zu tun. Der Powhatan-Krieg war allerdings eine Art von Genozid, als beide Seiten versuchten, sich gegenseitig zu vernichten. Hunderte von Virginia-Siedlern wie auch Hundete von Powhatan-Indianern wurden getötet, und Dörfer auf beiden Seiten vollständig zerstört.

Quellen

Literatur

Weblinks


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