Shuar
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Die Shuar sind ein indigenes Volk in Ecuador und Peru.
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Einführung
Die meisten Shuar leben im Südosten Ecuadors im Gebiet des östlichen Andenvorgebirges (Sierra de Cutucú) und des Tieflandes bis zur peruanischen Grenze. Eine kleinere Zahl lebt in Peru im Grenzgebiet mit Ecuador. Die Shuar bilden zahlenmässig die zweitgrösste Volksgruppe des Amazonasgebietes. Gemäss Angaben der CODENPE zählt sie etwa 110.000 Personen.
Der Name “Shuar” bedeutet "(das) Volk” in ihrer Sprache. Früher wurden sie von nicht-Shuar als “Jivaro” bezeichnet; dieser Name wird von den Shuar abgelehnt, weil er nicht ihrer Sprache entstammt (der Herkunft des Wortes ist unklar), und weil er mit “Wilden” oder “Kopfjägern” assoziiert wird.
Sprache
Ihre Sprache gehört zu der Jivaroan-Sprachfamilie, zu welcher neben dem Shuar auch die Sprachen der Achuar-Shiwiar (Ecuador und Peru), Aguaruna (Peru), und Huambisa (Ecuador und Peru) gerechnet werden.
Gesellschaft
Die Shuar leben in ‘’centros’’, wie ihre “Siedlungen” genannt werden. Diese centros erstrecken sich oft über ein grösseres Gebiet. Sie waren früher in weiteren Familienverbänden organisiert; heutzutage ist dies weniger der Fall, und es wird z.B. auch vermehrt ausserhalb des eigenen “clans” geheiratet. Die traditionell vorkommende Ehe eines Mannes mit 2 Frauen (die zweite war oft eine Schwester seiner ersten Frau, oder die Witwe des Bruders) kommt praktisch nicht mehr vor.
Organisationen
Im Jahr 1962 gründeten die Shuar und Achuar mit Unterstützung durch die Salesianermission die Federacíón Interprovincial de Centros Shuar-Achuar. (Die Achuar sind ein eng mit den Shuar verwandtes Volk, zum Teil in Ecuador, aber hauptsächlich in Peru beheimatet.)
Die Federación war demokratisch organisiert; die meisten ihrer Kader wurden vom Staat bezahlt. Unter einem Vertrag mit dem Staat von 1969 übernahm die Federación die administrative Zuständigkeit für das Shuar-Territorium. Sie war auch für das Unterrichtswesen verantwortlich und unterstützte Projekte zur Integration der Shuar in die Marktwirtschaft. Diese Aufgaben wurden dann vorallem von den neu gegründeten FICSH und FIPSE übernommen (siehe nächsten Abschnitt).
Seit ihrer Gründung hat sich die Federación in mehrere kleinere Organisationen aufgeteilt. Heute bestehen folgende Organisationen:
- FICSH, Federación Interprovincial de Centros Shuar (vertritt 490 Centros)
- FIPSE, Federación Independiente del Pueblo Shuar del Ecuador (47 Centros)
- OSHE, Organización Shuar del Ecuador (40 Centros)
- FSHZCH, Federación Shuar de Zamora Chinchipe (18 Centros)
- OISAE, Organización Independiente Shuar de la Amazonia Ecuatoriana
- FINAE, Federación Indígena Achuar del Ecuador
FICSH und FIPSE bilden quasi das “Rückgrat” des Organisationsprozesses der Shuar seit den sechziger Jahren; beide sind der CONFENIAE und der CONAIE angeschlossen.
Zudem gibt es:
- SERBISH', Servicio de Educación Radiofónica Bilingüe Indígena Shuar (Ausbildungsdienst des zweisprachigen Rundfunks Indígena Shuar - siehe Radioschulen)
- SASH, Servicio Aéreo Shuar (Shuar Luftdienst, u.a. für Krankentransporte)
Missionierung
Seit Ende des 19. Jahrhundert sind die Salesianer als Missionare unter den Shuar aktiv. Auch bei ihnen hat sich das Verständnis von was “Mission” ist oder sein sollte in den vergangenen 100 Jahren wohl wesentlich gewandelt, auch wenn die Christianisierung nicht aus ihren Zielsetzungen gestrichen wurde.
Die Missionare arbeiteten anfänglich eng mit der Regierung zusammen, und halfen, die Shuar in der Weise zu zivilisieren, dass die Kolonialisierung ihrer Gebiete erleichtert oder gar ermöglicht wurde. Heute erfüllen sie vielmehr wichtige Aufgaben zum Wohl der Shuar (z.B. wie oben erwähnt die Förderung ihrer eigenen Organsationen, Grüundung und Betrieb der Radioschulen, usw.).
Radioschulen
Die Salesianer leisteten einen wesentlichen Beitrag an der Etablierung der Shuar-Achuar-“Radioschulen”, die seit 1972 (offiziell anerkannt im 1979) den Kindern in den oft sehr abgelegenen Siedlungen eine zweisprachige (Shuar und Spanisch) Schulbildung ermöglichen. Dabei sind die Lehrer nicht an Ort und Stelle, sondern befinden sich in Sucua am Sitz der Federación und unterrichten per Radio. Die Schüler am Radio werden von älteren Schülern als “Assistenzlehrer” unterstützt. Anfänglich umfasste das Projekt nur die Primarschule, heute auch die Sekundärschule.
Die Shuar unter Druck
Nachdem Ende des 19. Jahrhunderts die ersten Missionsstationen im Shuargebiet gegründet wurden, liessen sich die ersten Ecuadorianer aus dem Anden-Hochland hier nieder. Sie handelten mit den Shuar, wobei diese Land gegen industriell hergestellte Waren tauschten. Mitte des 20. Jahrhunderts hatten die Shuar ansehnliche Landflächen an die Siedler verloren.
Die Entdeckung grosser Ölvorkommen im Amazonasgebiet, anfänglich nördlich vom Territorium der Shuar aber später auch mehr südlich, bedeutet eine ernste Bedrohung für ihre Umwelt und ihren Lebensstil. Die Shuar wehren sich, zusammen mit den Achuar, vehement gegen jegliche Ölexploration und -förderung und gegen Vorhaben, Minenkonzessionen auf ihrem Gebiet zu verleihen.
Schrumpfköpfe
Die Tradition, die Köpfe ihrer erschlagenen Feinde zu ‘’Schrumpfköpfen’’ (‘’Tsantsa’’) zu verarbeiten, hat nicht wenig zur Faszination Europäer und Amerikaner was die Shuar betrifft beigetragen. Entgegen der landläufigen Meinung, dass es sich um Kriegstrophäen handelt, war der Sinn dieses Brauches, den Geist oder die Seele des getöteten Feindes, den ‘’muisak’’ zu beherrschen, der in seinem Kopf hauste, was dann zum Vorteil des eigenen Stammes gelangen würde. Diesen Brauch gibt es längst nicht mehr. Leider ist die Vorstellung des “wilden Kopfjägers” aber immer noch weit verbreitet.
Weblinks
- Shuar Children: Bilingual-Bicultural Education
- ConocoPhillips Oil Projects vs. Indigenous Communities in the Amazon'
- CODENPE-Seite über die Shuar - CODENPE ist der staatliche(Staatlicher Rat der indigenen Völker und Nationen Ecuadors)
- Projekt zur Unterstützung der Shuar - ein von den Shuar initiiertes Projekt mit deutscher Unterstützung. Ausserdem wurde hier ein Grossteil der CODENPE-Informationen ins Deutsche übersetzt.