Yanktonai

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Wohngebiet
Ehemaliges Stammesgebiet der Yanktonai, benachbarter Stämme und heutige Reservationen.
Ehemaliges Stammesgebiet der Yanktonai, benachbarter Stämme und heutige Reservationen.
Systematik
Kulturareal: Plains und Prärie
Sprachfamilie: Sioux-Sprachen
Sprache: Sioux
Stammesgruppe: Nakota
Stamm, Volk: Yanktonai
Synonyme
Ihanktonna, Little-end Village

Die Yanktonai, auch Ihanktonna (Ihanke=Ende; tonwan=Dorf; na=Verkleinerungsform: kleines Dorfende), sind ein nordamerikanischer Indianerstamm und gehören zusammen mit den Yankton und Assiniboine zu den Nakota aus der Sioux-Sprachfamilie. Sie bildeten die mittlere Sioux-Gruppe zwischen den Dakota im Osten und den Lakota im Westen. Ihr Stammesgebiet erstreckte sich über das heutige North und South Dakota. Schon vor 1640 hatten sich die Assiniboine von den Yanktonai getrennt und waren nach Norden gezogen. Ursprünglich lebten die Yanktonai gemeinsam mit den übrigen Sioux-Stämmen im Gebiet westlich der Grossen Seen, wurden aber von den Anishinabe nach Süden und Westen verdrängt. Auf der Wanderung in ihre neuen Jagdgründe teilten sie sich im Laufe der Zeit in drei grosse Gruppen, nämlich die Dakota, Nakota und Lakota, die sich im Dialekt und teilweise auch in ihrer Lebensweise und Kultur unterschieden. Die Sprecher der einzelnen Dialekte hatten keine Schwierigkeiten, einander zu verstehen. Während Dakota und Lakota heute noch von vielen Sioux gesprochen wird, ist der Nakota-Dialekt nahezu ausgestorben.

Inhaltsverzeichnis

[bearbeiten] Kultur und Lebensweise

Die Yanktonai lebten entlang der Flüsse in ortsfesten Dörfern, und bauten vorwiegend Mais, Bohnen und Squash an. Das frische Gemüse wurde entweder roh oder gekocht gegessen oder für den späteren Verzehr getrocknet und gelagert. Sie jagten Hirsche, Bären, Elche, Antilopen und kleineres Wild, aber im wesentlichen waren sie auf die riesigen Bisonherden angewiesen, die ihnen Nahrung und Rohstoffe für fast alle Bedürfnisse des täglichen Lebens lieferten. Ihre Jagdwaffen waren Pfeil und Bogen, die von jedem Jäger selbst angefertigt und auf seine Grösse hin abgestimmt wurden. Die Pfeile waren gekennzeichnet, das zur Identifikation des Schützen diente. Das Büffelfleisch konnte natürlich nicht alles sofort verzehrt werden und wurde deshalb zum Teil getrocknet und damit konserviert. Das getrocknete Fleisch wurde in Mösern zerrieben, mit ebenfalls getrockneten wilden Beeren und Kräutern vermischt und mit ausgelassenem Fett zu einer festen Masse verbunden. Diese wohlschmeckende Dauernahrung hiess Pemmikan und war in weiten Teilen Nordamerikas bekannt.

Die Yanktonai wohnten nachweislich in Erdhäusern, die besseren Schutz in den bitterkalten Wintern boten, aber auch in den heissen Sommermonaten kühl blieben. Auf der Jagd benutzten sie das Tipi, das auf von Pferden gezogenen Travois transportiert wurde. Aus Büffelhäuten fertigten die Yanktonai-Frauen Kleidung, Mokassins, Taschen, Beutel und die Bedeckung der Tipis an. Kleidung und Mokassins wurden mit Perlen und kleinen Knochen verziert. Die Mokassins der Yanktonai waren für ihre festen, harten Sohlen bekannt, mit denen man besser über rauen, unebenen Untergrund laufen konnte. Für Reisen auf den Flüssen benutzten die Yanktonai Bullboats, runde leichte Boote, die aus einem Rahmen aus Weidenruten und darüber gespannter Büffelhaut bestanden.

Authentische Informationen über die Indianer der Grossen Ebenen kommen erst aus den Aufzeichnungen von Lewis und Clark aus deren Expedition 1804 bis 1806 an die Westküste und zurück, die in den 1830er Jahren von George Catlin durch Bilder und weitere Berichte ergänzt wurden. Das ethnographisch genaueste Material ist dem Prinzen Maximilian zu Wied zu verdanken, der zusammen mit dem Schweizer Maler Karl Bodmer in den Jahren 1834 und 1835 bei den Indianern der Plains verlebte. Gute menschliche Beziehungen zu den Ureinwohnern ermöglichten ihnen, ein wertvolles und grundlegendes Werk für die Wissenschaft zu erarbeiten. Bodmer brachte zum Beispiel etwa 500 Aquarelle und Bleistiftzeichnungen von dieser Reise mit.

[bearbeiten] Geschichte

Um 1700 werden die Yanktonai erstmals von Pierre-Charles Le Sueur in Berichten erwähnt. Dann tauchen sie erst 1804 wieder bei Lewis und Clark auf, die ihr Wohngebiet im Quellgebiet von Sioux, James und Red River besuchten. Am Britisch-Amerikanischen-Krieg von 1812 waren auch einige Yanktonai-Krieger unter Häuptling Waneta beteiligt, der für seine Verdienste bei den Briten sogar zum Captain befördert wurde. Er trat als junger Häuptling in die britische Armee ein und zeichnete sich durch besondere Leistungen im Kampf gegen die Amerikaner bei Fort Mergs und Stephenson im Ohiogebiet aus. Er machte sogar eine Reise nach London und wurde am Königshof vorgestellt. Im Vertrag von Washington am 19. April 1858 hatten die Yanktonai fast ihr gesamtes Stammesgebiet an die Regierung abgetreten und wurden in mehrere Reservationen umgesiedelt. Als Gegenleistung erhielten sie Geld, Lebensmittel und Warenlieferungen von der Regierung. Der Amerikanische Bürgerkrieg (1861-1865) führte zu Zahlungsschwierigkeiten und zum Ausbleiben der jährlichen Lieferungen, das eine Hungersnot bei ihnen auslöste. Es kam zu Unruhen in einigen Gruppen, doch beim Ausbruch des Sioux-Aufstands 1862 in Minnesota hielt sie der Oberhäuptling der Yankton Palaneapape aus dem Konflikt heraus und warnte die weissen Siedler rechtzeitig, den Schutz der Forts aufzusuchen. Er rettete damit vielen Weissen das Leben.

[bearbeiten] Demografie

Lewis und Clark bezifferten die Yanktonai 1806 auf 1.750 Angehörige. Das Bureau of Indian Affairs schätzte ihre Zahl im Jahr 1842 auf 6.000. 1874 wurden 2.266 Stammesmitglieder gezählt, während der Zensus von 1886 5.109 Yanktonai ermittelte. Heute leben sie in den folgenden Reservationen, meistenteils gemeinsam mit Angehörigen anderer Sioux-Stämme (in Klammern die Bevölkerungszahlen aus der Volkszählung des Jahres 2000):

  • Yankton Reservation (Yankton, Yanktonai - 4.941)
  • Standing Rock Reservation (Yankton, Yanktonai - 8.714)
  • Crow Creek Reservation (Yanktonai - 2.550)
  • Fort Peck Reservation (Yanktonai, Assiniboine - 2.233)

[bearbeiten] Siehe auch

[bearbeiten] Literatur

[bearbeiten] Weblinks


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